Schwedische Künstler, Songwriter und Produzenten haben internationale Popgeschichte geschrieben. Dazu kommen Spotify und andere digitale Erfolgsgeschichten, die verändert haben, wie Musik weltweit verbreitet und gehört wird. Schweden zählt zu den führenden Musikexportnationen der Welt. Nur ein nationales Museum für diese bemerkenswerte Erfolgsgeschichte fehlte bislang.
Im Juli 2027 soll deshalb auf Slottsholmen in Västervik das Swedish National Music Museum eröffnen. Dabei soll es weniger um die nächste Ruhmeshalle für berühmte Namen und goldene Schallplatten gehen. Das Museum will vielmehr erklären, was hinter dem viel zitierten „schwedischen Musikwunder“ steckt. Und diese Geschichte beginnt weder bei ABBA noch in einem Stockholmer Tonstudio.
Das nationale Musikmuseum wird als zweistöckiger schwimmender Holzbau errichtet. Foto: OKIDOKI Architects (Download)
Heimspiel für Björn Ulvaeus
Warum ausgerechnet Västervik? Dass Schwedens nationales Musikmuseum in einer Kleinstadt in Småland entsteht, passt ziemlich gut zu der Geschichte, die es erzählen will. Denn ein wichtiger Teil des schwedischen Musikerfolgs nahm weit entfernt vom internationalen Rampenlicht seinen Anfang: in kommunalen Musikschulen, lokalen Musikvereinen, Proberäumen und auf Festivals im ganzen Land.
Västervik selbst gilt als Schwedens „Visstad“, als Hauptstadt der schwedischen Liedtradition. Seit 1966 findet hier jeden Sommer das Visfestivalen statt, eines der traditionsreichsten Musikfestivals des Landes. Gespielt wird in der Ruine von Schloss Stegeholm.
Und dann wäre da noch ein gewisser Björn Ulvaeus. Das ABBA-Mitglied wuchs in Västervik auf und ist eng mit der Entwicklung von Slottsholmen verbunden. Zu dem von ihm mitentwickelten Areal gehören heute Hotel, Restaurant und Spa. Nur wenige Schritte entfernt soll künftig das neue Musikmuseum auf dem Wasser liegen.
Ein Museum mit Rhythmus
Auch architektonisch dürfte das Museum kaum zu übersehen sein. Der zweigeschossige Bau mit rund 800 Quadratmetern Fläche entsteht direkt auf dem Wasser und soll Rhythmus und Bewegung sichtbar machen.
Der Entwurf stammt vom schwedischen Architekturbüro OKIDOKI. Vertikale Holzelemente an der Fassade treten abwechselnd vor und zurück und lassen das Gebäude wie eine eingefrorene Schallwelle wirken. Auch im Inneren gibt Holz den Takt an. Sichtbare Konstruktionselemente setzen das rhythmische Muster an den Decken fort. Gebaut wird direkt über der Ostsee, sodass moderne Architektur und der Schärengarten hier unmittelbar aufeinandertreffen.
Wie wird ein kleines Land zur Popgroßmacht?
Genau das soll das Museum erklären. Denn bei gerade einmal rund 10,5 Millionen Einwohnern ist Schweden der weltweit größte Musikexporteur pro Kopf und liegt insgesamt auf Platz drei hinter den USA und Großbritannien. Eine wichtige Rolle spielen dabei die kommunalen Musik- und Kulturschulen. Sie ermöglichten Generationen von Kindern und Jugendlichen Zugang zu musikalischer Ausbildung. Auch international erfolgreiche Produzenten wie Max Martin und Shellback gingen aus diesem Umfeld hervor.
Hinzu kommt Schwedens frühe Rolle bei digitalen Technologien. Spotify wurde in Stockholm gegründet und entwickelte sich zu einer der weltweit wichtigsten Musikplattformen. Auch SoundCloud hat schwedische Wurzeln.
Wie außergewöhnlich die schwedische Erfolgsbilanz ist, zeigt auch ein Blick auf die US-Charts. Seit Mitte der 1990er-Jahre standen schwedische Songwriter und Produzenten zeitweise hinter bis zu der Hälfte der Top-Ten-Hits der Billboard-Charts.
Das Museum will damit vor allem das System hinter den Stars sichtbar machen. Denn die vielleicht spannendere Frage ist nicht, wer aus Schweden international erfolgreich wurde. Sondern warum es immer wieder jemand wird.
Und wenn man schon mal in Västervik ist
Vor Västervik beginnt der Tjust-Schärengarten mit rund 5.000 Inseln. Fähren und Taxiboote verbinden die Stadt unter anderem mit den Inseln Hasselö und Idö. Kajakfahren, Segeln, Wandern, Trailrunning und Klettern gehören zu den beliebtesten Aktivitäten der Region.
Passend zum neuen Museum lässt sich auf Slottsholmen sogar auf dem Wasser übernachten. Das Slottsholmen Hotel verfügt über schwimmende Zimmer, nutzt Solarenergie und bereitet mit einer eigenen Anlage Meerwasser auf.
In Västervik ist man nie weit vom Wasser entfernt. Foto: Nathalie Chavez, Västervik Framåt (Download)
Mehr Infos über Småland: https://visitsweden.de/regionen/sudschweden/smaland/
Mehr Infos über Västervik: https://www.visitsmaland.se/de/reiseziele/vastervik/
Mehr über Schwedens Musikwunder: https://sweden.se/culture/arts-design/the-swedish-music-miracle
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